Wie ist der Loudness War entstanden?
Der Loudness War ist eine Entwicklung, die sich seit Einführung der CD Anfang der Achtziger bis heute schleichend vollzogen hat. Bereits bei der Vinyl-Schallplatte war das gleiche Phänomen zu beobachten, welches jedoch durch das mechanische Wiedergabeverfahren und das Nichtvorhandensein digitaler Signalverarbeitung natürlichen Grenzen ausgesetzt war.
Da ein Titel aus psychoakustischen Gründen auf den ersten Eindruck wärmer, brillianter und druckvoller klingt als ein nur 0,5dB leiserer Titel (siehe: Was macht stark komprimierte Titel scheinbar attraktiv?)ist jede Veröffentlichung dem natürlichen Wettbewerb um den besseren Sound ausgesetzt. Der Mastering-Engineer erhielt stets gemeinsam mit der Anweisung den Auftrag, mindestens so laut wie die Referenzveröffentlichung XY oder lauter zu mastern. Der Einzug moderner digitaler Signalverarbeitung machte jedoch Kompressionen (Verdichtungen) möglich, die eines Tages die Grenze des guten Geschmacks überschritten. Das geschah sehr schleichend, da kurze so genannte A/B-Vergleiche die Nachteile überkomprimierter Musik zumeist nicht deutlich machen.
Heute ist diese Spirale soweit eskaliert, dass die Angst der verantwortlichen Plattenfirmen-Manager, mit einer leiseren Veröffentlichung nicht genügend wahrgenommen zu werden, die Warnung verantwortungsbewusster Mastering-Engineere übertönt. Das führt zu Veröffentlichungen, die kurz davor sind, Weißem Rauschen zu gleichen und dem Ohr ungefähr so charmant schmeicheln wie ein kräftiger Schlag ins Gesicht.
Hier sehen Sie die typische Entwicklung der Lautheit seit Einführung der CD bis heute. Die steigende Lautheit geht mit einer Reduktion des Dynamischen Bereichs = Dynamic Range einher.



























Endlich wieder "schöne" Musik?
Als absoluter Liebhaber solch genialer Produktionen wie beispielsweise
Al Jarreau´s Album "Jarreau" aus dem Jahr 1984
oder
Rufus feat. Chaka Khan´s Abum "What Cha´ Gonna Do For Me" aus dem Jahr 1981
freue ich mich über diese Aktion.
Bleibt nur zu hoffen, das es noch genügend "echte" Musiker gibt die Wert darauf legen
ihr Können in angemessenem dynamischen Rahmen zu produzieren ohne neidisch auf die
"fetten" Produktionen irgendwelcher 08/15 Künstler zu gucken, nur weil diese vom Kommerz scheinbar mehr Aufmerksamkeit in Form von Geld oder Popularität (TV, Radio usw.) bekommen.
Wir müssen einfach wieder "das Zuhören" lernen und auch mal ein ganzes Album "erleben"!
Dann, hoffe ich, gibt es bald auch wieder "schönere" Musik Produktionen in jedem Genre.
Aktuelle Scheiben zeigen einen neuen Trick
Zeitweise borge ich mir aktuelle Scheiben um mir mal wieder die Ohren bluten zu lassen. Darauf findet sich ein neuer Kniff der Mixer, es wird eine DR0 produziert und dann mit einem Limiter wieder 0.5db beseitigt. Das ergibt eine dicke Wurst mit Verpackung. So wird offenbar das harte clippen von DA-Wandlern unterbunden, man braucht sich aber keine Illusionen machen das solche Tracks noch irgendein Leben in sich haben.
Würdige Ausnahme ist das neue GnR Album, das dürfte sicherlich DR14 oder DR16 haben und bläst einem freudig die Dynamik ins Gesicht und Freudentränen in die Augen.
Digitaltechnik - Schuld am Loudness War?
Nein, wie oben auch gut dargestellt kann man das wohl nicht so vereinfachen. Was aber nicht erwähnt wird, ist die musikalische Entwicklung, die mit der Digitalisierung der Musikproduktionstechnik einher geht. Es wird ja generell immer weniger mit echten Instrumenten und Künstlern produziert. Da kommt es nicht von ungefähr, dass es vielen aktuellen Produktionen an Dynamik fehlt.
Digitaltechnik - Schuld am Lautheitswahn
Die Behauptung, dass das produzieren mit "unechten" Instrumenten zu geringerer Dynamik führt ist schlicht und einfach Unfug. Als Musiker, Produzent und Masterer sage ich dir, dass auf digitalen Instrumenten basierte Musik (Was ist das eigentlich genau? Wenn ich eine Les Paul über einen Marshall brate, das ganze aufnehme und digital weiterverarbeite? Ist dann aus dem "echten Instrument" Les Paul auch ein digitales mit null Dynamik geworden?) einen erheblich grösseren Dynamik-Umfang hat als analoge Aufnahmen mit herkömmlichen Instrumenten. Oder auch digitale Aufnahmen mit herkömmlichen Instrumenten. Die mögliche Dynamik ist erheblich grösser, als sie zu analogen Zeiten jemals war.
Das Problem liegt bei den Leuten, die an den Knöpfen drehen, simple as that. Obige Argumentation ist flach dahergeredet und die Sache nicht durchdacht. Digital = ganz schlecht und analog = supertoll, weil früher war eh alles besser und ausserdem aus Holz.
Solche Kurzschluss-Argumentationen bringen niemanden weiter. Oder sollen wir wieder die Revox auspacken und alles ist wieder schön??